Fortschritt

Das war das Zauberwort unserer Kindheit und Jugend. Dem konnte sich keiner entziehen. Für den Fortschritt zu sein, war das Einzige. Raus aus Einerlei, Piefigkeit, Mühsal, Sorgen. Das war die Verheißung der neuen Zeit, die hier nicht Wirtschaftswunder hieß, sondern eben Fortschritt.

Fortschritt, so hießen Sportvereine, Genossenschaften in Stadt und Land, so sangen wir fröhlich und erwartungsvoll, gehüllt in die Uniform der neuen Zeit. Alles atmete – Fortschritt.

Mittlerweile denke ich, dass es weltweit vielen Menschen so ging, hat doch die Wirtschaft in den letzten 75 Jahren ungekannten Aufschwung erlebt.

Wo sind wir angekommen?

Hat der Fortschritt sein Versprechen eingelöst?

Sind wir fortschrittlich gewesen oder von etwas Wesentlichem fortgeschritten?

Darüber lohnt es sich meiner Ansicht nach zu debattieren. Darüber, und was unsere Kinder daraus lernen müssen, und unsere Enkel.

Und lasst uns diese alberne Spalterei vergessen. In wenigen Monden werden wir es eh tun, also ziehen wir es vor.

Jeder Tag zählt. Unsere Zeit ist endlich, nutzen wir sie.

Dumm gelaufen

Im letzten Beitrag hatte ich noch die große Klappe. Mich lädt ja keiner ein… jetzt hat mich doch über 3 Ecken eine Einladung erreicht.

Es fühlt sich mies an; mir wird schlecht und ich komme mir vor wie im falschen Film. Was geht hier vor? Warum erwischt es so viele? Scheinbar wahllos, von jetzt auf nachher? Leute, die ich für vernunftbegabt und empathisch halte? Es fällt mir wirklich schwer, das Wort „Dumm“ zu gebrauchen. Aber wie soll man es sonst benennen, wie erst begreifen? Ich versuche es mit dem gleichen Trick wie sie: Ignorieren. Wegsehen. Leugnen. Aber ich schaffe es nicht, bleibe traurig auf den Informationen sitzen, die bestätigen, was ich schon ahnte. Ich wünschte, ich hätte mich getäuscht. Er/sie/es ist dumm gelaufen.

Ist es ein Wettlauf von Viren? Wenn ja, was kann ihn stoppen? Impfung gegen das eine, vielleicht, – aber was hilft gegen die Hysterie?

Zuerst: Erdung. Füße auf den Boden.

Dann: Nicht abwenden.

Ich muss gestehen, dass mir das saumäßig schwer fällt. Sagen wir so: Ich mach meine Fenster zu, wenns draußen Scheiße regnet. Aber die Klingel bleibt an; Besucher kriegen heißen Tee und warme Hausschuhe. Versprochen.

Da haben wir’s

Wahlnacht in Thüringen: Höcke-hoch liegt der Unrat auf der Autobahn (Quelle: OTZ)

Das kam ja nun auch nicht unerwartet. Wenn ein ganzes Bundesland bar jeder Vernunft abstimmt, muss das ja Konsequenzen haben. Der Himmel machte seinem Zorn Luft und schickte ein kräftiges Unwetter. Bis zur Höcke wurde die A4 bei Bucha zuge…schüttet. Möglicherweise hat es wieder die Falschen erwischt.

Wahl-O-Rakel

Du weißt nicht, was Du wählen sollst. 

Dann stell dir vor: Nach einer durchzechten Nacht – welches Getränk wählst Du und warum? 

Pfefferminztee: Lass das alte Leben hinter Dir, stürz Dich ins Ungewisse

Kaffee schwarz: 1. aus Gewohnheit und 2. erst recht, weil es ungesund ist

Himbeerlimonade: Nüchtern und fad, aber vielleicht hilft es diesmal

Eierlikör: Wenn der Tag schon versaut ist, dann ordentlich

Prost!

Ehe Du fragst: Ja freilich, die Auswahl ist größer. Ein paar Getränke sind leider vorher schon links oder rechts vom Tisch gefallen, andere riechen penetrant, ganz wenige interessant. Aber ob die den nächsten Tag retten? 

Besuch

So könnte der Besuch aussehen

Machen wir uns nichts vor: Manchmal denken wir daran. Wie es sein wird, wenn plötzlich dieses UFO im Garten landet. Wenn sich kleine grüne Wesen mit Staubsaugerrüsseln mit ans Lagerfeuer setzen, komische Töne von sich geben und uns fragend anschauen.

Das US-Militär hat jetzt einen Bericht über auffällige Sichtungen vorgelegt, die zumindest auf unerklärliche Phänomene zurückzuführen sind. Für extraterrestrische Besucher gibt es allerdings (noch) keinen Beleg. Aber immerhin, wir werden mal wieder daran erinnert.

Was würde sich ändern?

Sind wir dann auf einmal ein Team – wir Erdlinge?

Werden wir uns mit den neuen Nachbarn vertragen oder genau so rüde sein wie wir es bisher gehalten haben?

Werden wir uns dann weniger wichtig nehmen oder dann erst recht nach den Sternen greifen?

Werden wir dann endlich über den Tellerrand schauen und unseren Blick weiten? Oder buddeln wir uns ein in Vorurteile und Verschwörungstheorien?

Entschuldigung für die blöde Frage, aber… warum können wir nicht schon jetzt damit anfangen, vernünftig zu werden?

Woher kommt diese Wut?

Wir haben vier Eigenschaften, die uns das Leben schön machen, aber auch verdammt schwer:

  1. Wir wollen frei sein. Frei im Denken und im Handeln. Dass diese Freiheit eine zweite Seite hat (die heißt Verantwortung), übersehen wir gelegentlich. Das ist nicht schlimm, denn dabei hilft uns Eigenschaft Nummer 2:
  2. Wir wollen Führung haben. Im Klartext: Wir wollen die Verantwortung abgeben. Wenn immer es zu schwierig wird, rufen wir nach Führung: Erst nach Mama, dann nach dem Staat. Das ist natürlich ein Widerspruch, aber das ist nicht schlimm. Wir haben ja zum Glück Eigenschaft 3:
  3. Wir können unsere Fehler ausblenden. Das ist sehr hilfreich, schützt vor Minderwertigkeitsgefühlen und Depressionen, macht das Leben angenehm und leicht. Aber obwohl wir nun ein fast perfektes Weltbild haben, gehen immer noch so viele Dinge schief. Wer ist daran schuld? Ganz klar:
  4. Schuld sind immer die anderen. Und damit ist der geniale Kreis geschlossen.

Dummerweise sind wir trotzdem nicht glücklich. Wie auch, wenn wir uns schon ab Eigenschaft 1 anfangen selbst zu belügen? Aber je tiefer wir ins Lügengeflecht gelangen, umso schlechter können wir die Lügen zugeben, später können wir sie nicht mal mehr als Lüge erkennen. Und hier ist der Punkt, wo die Wut herkommt: Ich bin doch im Recht und alle anderen im Unrecht (ausgenommen die Handvoll Leute, auf die ich angewiesen bin). Was macht das mit mir, der ich nur noch von Feinden umzingelt bin? Leicht vorzustellen: Ich werde regelrecht verrückt vor Wut.

Aber wie komme ich da wieder raus?

Ich will da gar nicht wieder raus, weil: das tut weh! Dafür müsste ich zuerst meine Waffen, dann meine Überzeugungen über Bord werfen! Das letzte, was ich brauche, sind Belehrungen von wohlmeinenden Besserwissern, die meine Argumente zerpflücken, um mich zu bekehren.

Es würde schon helfen, ernst genommen zu werden, nicht in irgendeine Ecke gestellt oder als <Whatever>-„Leugner“ abgestempelt zu werden. Ist es nicht wichtig, die Dinge zu hinterfragen, skeptisch zu sein, die allzu Selbstsicheren herauszufordern, Dummheit beim Namen zu nennen?

Das ist der Bereich, wo wir uns treffen müssen, wo Kraft und Ausdauer gefragt sind. Da kann aus der Wut was Brauchbares werden.

Wenn wir nicht nur meckern, sondern sagen, wie es besser geht.

Wenn wir für unser Denken und Tun Verantwortung übernehmen. Und behalten.

Der Traum ist aus!

Erleichterung: Donald J. Trump verlässt Washington D.C. am Morgen des 21. 1. 2021

Ein Alptraum geht zu Ende. Erstmal aufatmen. Aber dann bitte dranbleiben. Das kann, das darf nicht wieder passieren. Ein so durchschaubarer Taschenspieler, was hat er mit der Demokratie angestellt? Was hat er mit uns gemacht? Bestenfalls hat er uns gezwungen, Farbe zu bekennen. Nicht für Links oder Rechts, Rot oder Grün – für Humanität, Solidarität, Verantwortung, Frieden. Gegen Respektlosigkeit, Überheblichkeit, gegen Hass und Häme.

Mögen sich alle, ob Demokraten oder Republikaner, am Hinterkopf kratzen, sich schütteln und die Katerstimmung nutzen, um zur Besinnung zu kommen. Es geht doch nicht ums Rechthaben oder ums Reichwerden. Es geht darum, einander zu dienen. Und ab und zu mal in das dicke Buch reinzuschauen, statt es verlogen in die Kamera zu halten.

Anstandssieg

Jawoll! Es muss auch ab und zu Lichtblicke geben. Die Abwahl Donald Trumps als US-Präsident ist so einer. Nicht, dass die Welt schlagartig ein besserer Ort wäre, aber die Aussicht darauf ist es.

Lasst uns aus den letzten Jahren lernen, wie schnell man einem Großmaul auf den Leim geht. Und es nicht so schnell vergessen!

Amerika, Du hast es so gewollt, Du hast es ertragen, Du hast es abgeschüttelt. Du hast gezeigt, wie Demokratie geht.

Mr. Biden, Mrs. Harris: Bitte übernehmen Sie und zeigen Sie sich dieser Aufgabe würdig. Dieses Land und diese Welt haben es verdient.

Trump-Wähler müssen erst einmal stark sein, so wie immer nach einer verlorenen Wahl. Hoffentlich sind auch Respekt und Anstand ansteckend.

Gute Genesung!

Hier nochmal, weil es so schön war / ist / bleibt


.. und noch einer