Der Traum ist aus!

Erleichterung: Donald J. Trump verlässt Washington D.C. am Morgen des 21. 1. 2021

Ein Alptraum geht zu Ende. Erstmal aufatmen. Aber dann bitte dranbleiben. Das kann, das darf nicht wieder passieren. Ein so durchschaubarer Taschenspieler, was hat er mit der Demokratie angestellt? Was hat er mit uns gemacht? Bestenfalls hat er uns gezwungen, Farbe zu bekennen. Nicht für Links oder Rechts, Rot oder Grün – für Humanität, Solidarität, Verantwortung, Frieden. Gegen Respektlosigkeit, Überheblichkeit, gegen Hass und Häme.

Mögen sich alle, ob Demokraten oder Republikaner, am Hinterkopf kratzen, sich schütteln und die Katerstimmung nutzen, um zur Besinnung zu kommen. Es geht doch nicht ums Rechthaben oder ums Reichwerden. Es geht darum, einander zu dienen. Und ab und zu mal in das dicke Buch reinzuschauen, statt es verlogen in die Kamera zu halten.

Das andere Weihnachten

Keine Frage, es ist tatsächlich ein anderes Weihnachten. Ob’s besser ist oder schlechter als die vorherigen – das ist nicht meine Frage. Ich frage mich, ob es mich näher an Weihnachten geführt hat. Das hat es.

Wenn alles Äußerliche wegfällt: Alles Geklingel und Getue, Kaufen, Hetzen, Saufen, Futtern, Andacht heucheln, über Zeitnot klagen… dann kommt diese dicke Gelegenheit, mich mit meinen Gedanken, Gefühlen, der Sehnsucht nach Weihnachten zu befassen. Zur Ruhe kommen, zu mir selber kommen: Einfach gut.

Ein Kind ist geboren. Das ist ein Wunder. Jedesmal aufs Neue. Jeder Mensch ist ein einmaliger Wurf, ein göttliches Geschenk. Wir könnten in dieser Zeit in uns gehen und darüber nachdenken. Und uns hinterher erfreut in die Augen schauen: Ja, Du bist ja auch so ein Geschenk. Und ich auch. Wir könnten uns darüber und aneinander freuen.

Vielleicht bin ich ja nicht das einzige Wesen, dem es so geht. Lassen wir die leeren, sinnlos gewordenen „Weihnachts“-Rituale einfach weg, sie wollen uns nur bis zur Besinnungslosigkeit berieseln. Oder seid mir zumindest nicht gram, wenn ich von nun an dankend verzichte, weil ich die „Corona-Weihnacht“ so andächtig fand.

Anstandssieg

Jawoll! Es muss auch ab und zu Lichtblicke geben. Die Abwahl Donald Trumps als US-Präsident ist so einer. Nicht, dass die Welt schlagartig ein besserer Ort wäre, aber die Aussicht darauf ist es.

Lasst uns aus den letzten Jahren lernen, wie schnell man einem Großmaul auf den Leim geht. Und es nicht so schnell vergessen!

Amerika, Du hast es so gewollt, Du hast es ertragen, Du hast es abgeschüttelt. Du hast gezeigt, wie Demokratie geht.

Mr. Biden, Mrs. Harris: Bitte übernehmen Sie und zeigen Sie sich dieser Aufgabe würdig. Dieses Land und diese Welt haben es verdient.

Trump-Wähler müssen erst einmal stark sein, so wie immer nach einer verlorenen Wahl. Hoffentlich sind auch Respekt und Anstand ansteckend.

Gute Genesung!

Hier nochmal, weil es so schön war / ist / bleibt


.. und noch einer

Nachthimmel

Da hat die Medienwelt mit ihrem ständigen Geklingel doch auch mal wieder was Gutes. „Neowise“ – kein Mensch hätte das eigentlich schon abgeschaltete Teleskop „WISE“ ohne das Projekt „NEOWISE“ (Near-Earth Object Wide-field Infrared Survey Explorer) zur Kenntnis genommen. Jetzt kennen es alle. Und den danach benannten Kometen auch.

Schön, dass er uns in die Nacht lockt, den Blick zum Himmel lenkt und das Wunder unseres Daseins erahnen lässt. In lauer Nacht, nach Tagwerk und Abendfreuden.

Der Alte singt nicht mehr

„Der Alte singt noch“, so klang es zu Orjes 80. Geburtstag. Das war vor 2 Jahren. Es gab eine innig schöne CD und auch einen Bildband vom Am-Vieh-Theater. Der Künstler hatte auf vielen Hochzeiten getanzt, war aber er selbst geblieben: Der große Inspirator.

Vor 20 Jahren, im Sommer 2000, hat Orje einen Grabstein aus Holz gehauen, darauf steht „Georg Zurawski“, geboren 13. 3. 1938″. Jemand muss nun das Sterbedatum schnitzen: 28. Mai 2020

Georg hat die irdische Bühne verlassen. Sein Vermächtnis sind viele Begegnungen, Lieder, Gedanken, Geschichten, Handwerk, schwere Arbeit und leichtes Feiern. Er war ganz im Hier und Jetzt, mit den Füßen auf dem Boden. Er hat allen Mut gemacht zum Träumen und zum Bei-Sich-Sein, zum Tanzen und zum Schuften, zum Lieben, Geliebtwerden, zu allem, was Freude macht.

Danke, Du Guter. Danke, dass Du da warst, danke für alles. Bis später. Wir verpassen uns sicher nicht.

Herausforderung die II.

Darf man diese Virus-Krise mit der „Wende“ von 1989/1990 vergleichen? In vielen Bereichen sicher nicht, in manchen schon.

Die Wende hat uns vor die erste Herausforderung gestellt: Auf einmal waren wir Ostmenschen mündige Staatsbürger. Wir durften plötzlich eine Meinung haben, wir durften frei wählen. Und wir mussten, um unsere Freiheit im Denken und Reisen auch zu nutzen, das nötige Kleingeld verdienen.

Jetzt verlangt dieses Virus (bzw. die Angst vor selbigem), dass ich mit mir selber klarkomme. Wenn alle Zerstreuung, Unterhaltung zusammenschrumpft, was mache ich in der vielen freien Zeit, die ich vorher mit Einkaufen, Essen gehen, Konzert- und Kinobesuchen erschlagen habe? Will ich wirklich ein Buch lesen, Telefonieren, Skypen, Ausruhen, Wandern, Radfahren? Kann ich mich ertragen? Einfach mich selbst annehmen?

Forderte die erste den Wandel vom Untertan zum freien Bürger, so ist die zweite die Umkehr vom bewusstlosen Konsum zum achtsamen Leben.

Kommt darauf an, wass jeder daraus macht…


Das Spiegel-Virus

Viele haben im Moment eine schlechte Zeit. Wir können jetzt 2 verschiedene Wege gehen:

Einerseits könnten wir unser Mitgefühl, unsere Phantasie und unsere Solidarität entdecken. Unsere Menschlichkeit.

Andererseits könnten wir losgehen und einen Schuldigen für unser Dilemma suchen.

„Widerstand“ ruft es im Lande – Widerstand wogegen?

Gegen unser aller Unwissen? Gegen die Gelehrten, die wir verdächtigen, mehr zu wissen als unsereins (warum auch immer)…
Widerstand gegeneine Regierung, die ihr Volk planmäßig bevormundet? Ganz ehrlich? Das ist mir zu blöd. Wenn diese Regierung etwas nicht hat, dann ist das ein Plan. Und wenn diese Regierung etwas hat, dann ein Händchen für Krisen.

Dieses Virus hält uns einen Spiegel vor. Wir sehen unsere Gesellschaft wie im Brennglas. Und was wir da sehen, wird immer beschämender, je länger dieser Zustand andauert. Nach den Wochen der Hilfsbereitschaft kommen nun die Wochen der blinden Wut.

Leute, wenn ihr wieder aus dem Haus geht, lasst die Spaltaxt daheim.

Lasst uns den anstrengenderen Weg wählen, denn der ist der einzige, den wir haben. Wir wissen das doch.

Nehmt den Wüterich, den Eiferer, den Gleichgültigen, den Schlaumeier und den coolen Typen, die Ärztin, die Lehrerin, die Klofrau, die Väter und Mütter – Eure Nachbarinnen und Nachbarn, in Eure Mitte, nehmt sie ernst, eifert nicht nach richtig oder falsch. Helft, wo ihr gebraucht werdet, nehmt Hilfe an. Seid einfach Nachbarn, Mitmenschen.

Man muss nicht jedermanns Freund sein, aber auch niemandes Feind.